Steckbrief Landkreis Kassel
Der Landkreis Kassel umfasst 28 Kommunen und erstreckt sich über eine Fläche von 1.293,31 km². Rund 22.000 Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren leben in der Region. Der Verwaltungssitz befindet sich in Kassel in der Wilhelmshöher Allee 19-21, während die politische Leitung bei Landrat Andreas Siebert liegt. Weitere Informationen sind auf der offiziellen Webseite unter www.landkreiskassel.de verfügbar. Die Stadt Naumburg gehört zum Landkreis Kassel und besteht aus fünf Ortsteilen. Auf einer Fläche von 66,32 km² leben etwa 480 Kinder zwischen 0 und 10 Jahren. Die Verwaltung hat ihren Sitz in der Burgstraße 15 in Naumburg, und wird von Bürgermeister Stefan Hable geleitet. Mehr über die Stadt erfahren Sie auf www.naumburg.eu.
Präventionskette in Aktion: Bisherige Projekte und Maßnahmen
Bedarfsanalyse und was wir daraus gelernt haben
Ein Blick in die Modellregion
Naumburg mit seinen gut 5000 Einwohnern, verteilt auf fünf Ortsteile liegt ganz im Südwesten des Landkreises Kassel malerisch in den nordhessischen Hügeln.
Dieses Idyll kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Jugendhilfezahlen vergleichsweise hoch sind – und das trotz einer ausgeprägten Vereinsstruktur, Kindergärten und Grundschule im Ort und einer engagierten Nachbarschaft.
Auffällig ist, dass es viele zugezogene junge Familien gibt, für die es nicht einfach ist, in der vorhandenen Gemeinschaft anzudocken. Ein erstes Ziel für die Präventionskette in der Modellregion war also den Menschen das Ankommen in Naumburg oder in der neuen Familiensituation zu vereinfachen und damit die Bevölkerung untereinander und mit bestehenden Angeboten zu vernetzten.
Daraus sind die Willkommensbesuche, das Eltern-Babycafé und die Vereinsbörse entstanden.
Eltern- und Babycafé
Das Café soll ein Ort des Austausches für junge Eltern mit Kindern in den ersten zwei Lebensjahren sein. Eine Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen, die in der gleichen Lebenssituation sind, stärkt den Zusammenhalt untereinander und wirkt sich positiv auf das Zusammenleben in der politischen Gemeinde aus.
Genauso soll das Café aber auch ein Ort sein, an dem Fragen nach möglichen Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten zwanglos gestellt werden könnten und in dem sich Mitarbeitende aus professionellen Hilfssystemen wie den Frühen Hilfen vorstellen können. Nicht zuletzt ist das Café ein Ort, an dem Bedarfe und Wünsche der Naumburger Familien formuliert werden und gemeinsam überlegt wird, welche Lösungsmöglichkeiten es geben kann.
Willkommensbesuche
Rund 40 Geburten gibt es jährlich im Stadtgebiet von Naumburg. Das ist eine Menge an Besuchen, die eine engagierte Person im Jahr durchaus bewältigen kann. Außerdem werden die Familien besucht, die im Laufe des Jahres nach Naumburg ziehen.
Um nicht mit leeren Händen vor der Tür zu stehen wurde eine Tasche gepackt. Darin enthalten sind kleine Präsenten wie ein Büchereigutschein und Lätzchen, die von den Naumburger Landfrauen genäht wurden, sowie alle Informationen über vorhandene Strukturen. Die Stadt möchte die Bereitschaft zur Unterstützung signalisieren – gerade für Familien, die auf Hilfe angewiesen sind, weil Familie und Freunde nicht oder noch nicht vorhanden sind. Über die Besuche werden erste Kontakte geknüpft und Eltern zum Eltern- und Babycafé eingeladen, wo sie sich weiter vernetzen können.
Vereinsbörse
Eine jährlich wiederkehrende Vereinsbörse soll Transparenz über bestehende Angebote der unterschiedlichsten im Ort aktiven Vereine geben.
An einem Samstag Nachmittag bieten die Vereine durch verschiedene Mitmachaktionen Eltern und Kindern gleichermaßen eine Möglichkeit ihre Ansprechpartner und Angebot kennenzulernen. Dazu ließen sich beim letzten Mal viele Naumburger Familien bei Getränken und Kuchen ins Haus des Gastes einladen. Die Börse wurde in Kooperation zwischen der Präventionskette und den Vereinen vorbereitet und fördert dadurch auch die Wertschätzung und den Zusammenhalt der Vereine untereinander.
Familienzentrum
Im Laufe der Zeit der Präventionskettenarbeit in Naumburg hat sich herausgestellt, dass diese Arbeit einen festen Ort braucht. Da war es ein wunderbares Zusammenspiel, dass Naumburg über die Dorfentwicklung bereits Fördergelder für die Gestaltung eines Jugendraums im Haus des Gastes beantragt hat.
Inzwischen sind die Ideen so weiterentwickelt worden, dass die vorgesehenen Räumlichkeiten sowohl von Jugendlichen wie auch als Familienzentrum genutzt werden können. Naumburg hat sich daher den Aufbau des Familienzentrums zukünftig zum Ziel gesetzt und auch entschieden, dafür eine Koordinatorin einzustellen. Dadurch soll ein Ort geschaffen werden, an dem sich die Generationen begegnen können und immer weiter Vernetzung und Zusammenhalt entstehen können.
Damit wird die bisherige Arbeit der Präventionskette in Naumburg auch nach der Projektlaufzeit weitergeführt und erweitert.
Rückbindung an die Landkreisverwaltung
Gleichzeitig wurde durch Gespräche mit Verwaltungsmitarbeitenden und pädagogischem Fachpersonal deutlich, dass an verschiedenen Stellen auch die Vernetzung mit den Fachdiensten der Landkreisverwaltung eine Herausforderung ist.
Die Bedarfe der Familien lassen sich nicht allein in der Zuständigkeit der politischen Gemeinde lösen. Gerade die Familien, die mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind, bedürfen verschiedener Leistungen, die in den Fachdiensten des Landkreises gebündelt sind. Oft finden die Familien keinen Zugang zu diesen Leistungen. Neben dem kaum zu durchdringenden Antragsdschungel spielen in einem Flächenlandkreis auch immer die zu überwindenden Kilometer und die Infrastruktur eine Rolle.
Der Landkreis hat sich daher zum Ziel gesetzt, die dort gebündelten Angebote und Leistungen transparenter zu gestalten und den Menschen einen besseren Zugang dazu zu ermöglichen.
Daher ist ein „Markt der Familienleistungen“ entstanden, eine Fortbildungsveranstaltung für Kindergärten zu dem KIKS UP Präventionsprogramm „Klasse Kita“ und ein Gesundheitstag mit der Volkshochschule.
Markt der Familienleistungen im Landkreis Kassel – Beratung direkt vor Ort
Hinter dem „Markt der Familienleistungen“ verbirgt sich ein Format, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Familien niedrigschwellig einen Weg durch den Antragsdschungel zu weisen.
Dafür fahren die verschiedenen Institutionen und Fachdienste, die Geldleistungen verwalten, in eins der Familienzentren und bieten dort für einige Stunden die Möglichkeit an, sich zu den verschiedenen Familienleistungen beraten zu lassen bzw. direkt Anträge zu stellen.
Entstanden ist der Markt auf Initiative der Präventionsketten im Landkreis Kassel in Kooperation mit der Familienkasse, dem Jobcenter, der Wohngeldstelle, dem Unterhaltsvorschuss, AgiL und den Familienzentren.
Fortbildung KIKS UP „Klasse Kita“
Neben den Familien sind die Kitas die wichtigsten Orte für Kinder um eine gesunde Lebensweise zu erlernen. Genau an dieser Stelle setzt das Präventionsprogramm von KIKS UP „Klasse Kita“ an.
Hinzu kommt, dass die IKK-Südwest entschieden hat, in dieses Präventionsprogramm zu investieren und die Kosten für die teilnehmenden Kitas zu übernehmen. Dem Präventionsprogramm liegt ein Spiel zugrunde, mit dessen Hilfe sich die Themen Ernährung, Bewegung und psychosoziale Gesundheit einfach in den Kita-Alltag integrieren lassen. Um sich mit den Schwerpunktthemen auseinander zu setzen und die Funktionsweise und Möglichkeiten des Spiels zu erlernen, gibt es eine zweitägige Fortbildung für pädagogisches Fachpersonal.
Dank der guten Kooperation der mit KIKS UP können wir den Kitas des Landkreises diese Fortbildung schon das zweite Mal in Kassel anbieten.
Gesundheitstag mit der vhs
Bildung ist ein wichtiger Faktor im Kampf gegen Armut und für mehr Chancengerechtigkeit. Die Vernetzung der politischen Gemeinden mit der Volkshochschule als einem der wichtigsten außerschulischen Bildungsanbieter ist das Ziel dieser Initiative.
Die Volkshochschule der Region Kassel wird in Kooperation mit der Stadt Naumburg ein buntes Programm auf der einen Seite und einen Markt der Möglichkeiten auf der anderen Seite in Naumburg anbieten – alles in Bezug auf das Thema Gesundheit. Ziel ist es die Bevölkerung für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren und gleichzeitig die Volkshochschule und deren Referenten mit der ländlichen Region zu vernetzten.
Einblick in die Kommune und Arbeit der Koordinator*innen
Was war die Motivation der Kommune zur Teilnahme am Landesprogramm?
Ausschlaggegebend waren auffällig hohe „Hilfen-zur-Erziehungs-Zahlen“ aus den vergangenen Jahren in der Stadt Naumburg. Dadurch wurde deutlich, dass sowohl die Kommune als auch der Landkreis in ihrer Funktion als Jugendhilfeträger gemeinsam nach Lösungen suchen müssen. Da das Landesprogramm genau diese Möglichkeit der Kooperation ermöglicht und fördert, haben beide Partner gemeinsam entschieden, sich für das Landesprogramm zu bewerben.
Was ist das Ziel, welches Ihre Kommune durch die Teilnahme am Landesprogramm erreichen will?
Unser gemeinsames Ziel im Landkreis Kassel ist es, Chancengerechtigkeit für ein gelingendes Aufwachsen aller Kinder zu entwickeln, indem wir Transparenz über alle Angebote und Leistungen des Landkreises schaffen und uns besser vernetzen. Dadurch sollen Synergien zum Wohl des Kindes und seiner Familien entstehen, die die Rahmenbedingungen für ein gelingendes Aufwachsen fördern.
Welche drei Themen sind Ihrer Kommune besonders wichtig im Rahmen des Landesprogrammes?
- Chancengerechtigkeit – Transparenz schaffen und somit Zugang ermöglichen
- Armutsprävention
- Bildung
Was repräsentiert Ihre Kommune am besten?
Der Landkreis Kassel ist vor allem ein ländlicher Raum mit bestechend schöner Natur und vielen kleinen Städten und Dörfern rund um Kassel. Im ganzen Landkreis lassen sich alte, wunderbar märchenhafte Fachwerkhäuser finden und immer wieder ein Bezug zur Grimm'sche Heimat Nordhessen herstellen.
Welche ersten Schritte in Bezug auf die Präventionskettenarbeit wurden bereits gegangen bzw. welche ersten Schritte stehen an?
- Gründung einer Steuerungsgruppe, die sich der Aufgabe der Kooperation bewusst ist
- Analyse der Modellregion
- Vernetzung in viele Richtungen
- Auftaktveranstaltung, um den Blick für die Bedarfe des Landkreises zu schärfen
- Sensibilität für die Bedarfe schaffen
- Entwicklung geeigneter Ideen und Maßnahmen für offengelegte Bedarfe, vertiefende Analyse
- Kooperationspartner für Ideen und Maßnahmen suchen
- Informationsplattform schaffen
Sibylle Heicke und Heidi Völkerding
Sibylle Heicke (links auf dem Foto)
Koordinatorin Präventionskette Landkreis Kassel
Jugendamt
Landkreis Kassel
Wilhelmshöher Allee 19-21
34117 Kassel
+49 (0)561 1003 1263 oder +49 (0) 5625 790973
sibylle-heicke@ landkreiskassel.de
Heidi Völkerding (rechts auf dem Foto)
Koordinatorin Präventionskette Landkreis Kassel
Kinder- und Jugendarbeit
Stadt Naumburg
Burgstraße 15
34311 Naumburg
+49 (0)5625 790973
heidi.voelkerding@ naumburg.eu
Stand der angegeben Daten: 08.2025
Die Inhalte wurden von den jeweiligen Kommunen selbst verfasst und lediglich durch die Landeskoordinierungsstelle auf der Webseite veröffentlicht.